Der Druck bleibt. Aber er führt Sie nicht mehr.
von Edith Karl Wirtschaftsspychologin
Bewusst führen. Wirksam handeln.
Wie Sie auch unter Druck klar denken, bewusst entscheiden und handlungsfähig bleiben
Der Kunde macht Druck.
Zwei Mitarbeiter fallen aus.
Eine Entscheidung kann nicht bis morgen warten.
Und dann sagt jemand im Meeting auch noch genau den Satz, bei dem Sie normalerweise sofort reagieren.
Der Druck ist da.
Aber diesmal passiert etwas anderes.
Sie merken, dass Sie schneller werden. Sie spüren den Impuls, sofort einzugreifen. In Ihrem Kopf entstehen bereits die ersten Lösungen.
Und trotzdem reagieren Sie nicht sofort.
Sie hören noch einmal hin. Sie erkennen, worum es tatsächlich geht.
Sie unterscheiden zwischen dem, was Sie wissen, und dem, was Sie gerade hineininterpretieren.
Und Sie stellen fest:
- Nicht jedes Problem braucht Ihre Lösung.
- Nicht jede Frage braucht sofort eine Antwort.
- Und nicht jede Entscheidung, die bei Ihnen landet, muss auch von Ihnen getroffen werden.
Der Druck ist nicht verschwunden. Aber er bestimmt nicht mehr automatisch, was Sie als Nächstes tun.
Für mich ist das eine der wertvollsten Fähigkeiten von Führungskräften:
Auch dann noch wählen zu können, wenn sie davon überzeugt sind, dass die Situation nach einer schnellen Reaktion ruft.
Was bedeutet es, unter Druck klar zu entscheiden?
Unter Druck klar zu entscheiden bedeutet nicht, keinen Stress zu empfinden. Es bedeutet, den eigenen Handlungsspielraum zu behalten: wahrzunehmen, was tatsächlich geschieht, die eigene Interpretation davon zu unterscheiden und bewusst zu entscheiden, was die Situation jetzt braucht.
Das zeigt sich oft in unscheinbaren Momenten.
Ein Mitarbeiter kommt mit einem Problem. Früher hätten Sie nach zwei Sätzen begonnen, selbst nach einer Lösung zu suchen. Heute merken Sie diesen Impuls und fragen stattdessen:
„Was würden Sie tun, wenn Sie mich jetzt nicht fragen könnten?“
Eine unangenehme E-Mail landet in Ihrem Postfach.
Sie erkennen: Ich muss darauf reagieren. Aber nicht in diesem Moment.
Jemand widerspricht Ihnen im Meeting. Aus „Er widerspricht mir“ wird nicht automatisch „Er respektiert meine Entscheidung nicht“.
Sie können unterscheiden:
- Was ist tatsächlich passiert?
- Und was mache ich gerade daraus?
Das Problem ist dadurch noch nicht gelöst.
Aber Sie sind wieder in einer Position, aus der heraus Sie es lösen können.
Wie entsteht Entscheidungsraum?
Entscheidungsraum entsteht in dem Moment, in dem zwischen einem Ereignis und der eigenen Reaktion wieder eine Wahl möglich wird.
Das klingt zunächst unspektakulär.
In meiner Arbeit erlebe ich jedoch immer wieder, wie viel sich genau in diesem Moment verändert.
Mein Gegenüber erzählt von einer schwierigen Situation.
Wir schauen gemeinsam darauf.
Nicht nur darauf, was ein Mitarbeiter, Kunde oder Kollege getan hat.
Mich interessiert auch:
Was macht diese Situation mit Ihnen?
- Was möchten Sie unbedingt verhindern?
- Was versuchen Sie gerade zu schützen?
- Was könnten Sie persönlich verlieren, wenn Sie diesmal anders handeln?
- Und was könnten Sie gewinnen?
Irgendwann verändert sich etwas.
Manchmal sehe ich es zuerst im Gesicht meines Gegenübers. Die Gesichtszüge werden weicher. Nach und nach entspannt sich der Körper. Die Haltung verändert sich. Häufig wird auch die Stimme ruhiger.
Und genau dann gehe ich nicht sofort zur nächsten Lösung.
Ich frage:
„Was passiert gerade mit Ihnen?“
Denn dieser Moment ist wertvoll.
- Was sehen Sie jetzt, was Sie vor zehn Minuten noch nicht gesehen haben?
- Was müssen Sie plötzlich nicht mehr tun?
- Welche andere Möglichkeit ist entstanden?
- Mein Gegenüber hat dann nicht nur etwas verstanden.
Er erlebt, dass er auf dieselbe Situation anders schauen – und deshalb auch anders handeln kann.
Das ist der Nährboden für Veränderung.
Was hilft Führungskräften, unter Druck handlungsfähig zu bleiben?
Nicht immer noch mehr Führungswissen.
Viele Führungskräfte wissen sehr genau, wie gute Führung funktioniert.
Entscheidend ist, auch in angespannten Situationen auf das eigene Wissen und die eigene Erfahrung zugreifen zu können.
Dabei können einfache Fragen helfen, Wahrnehmung, Interpretation und notwendige Entscheidung wieder voneinander zu trennen.
Drei Fragen, mit denen ich deshalb immer wieder arbeite, sind:
Was weiß ich tatsächlich?
Was interpretiere ich gerade?
Was muss ich jetzt wirklich entscheiden?
Diese Fragen lösen nicht automatisch Ihr Problem.
Das sollen sie auch nicht.
Und dennoch: Sie schaffen Abstand zwischen dem, was passiert, und Ihrer Reaktion darauf.
Und in diesem Abstand entsteht wieder die Möglichkeit, bewusst zu handeln.
Gute Entscheidungen beginnen lange vor der Entscheidung
Wir denken bei Entscheidungen häufig an den Moment, in dem wir zwischen A und B wählen.
Ich halte den Moment davor für mindestens genauso wichtig.
Kann ich überhaupt noch wahrnehmen, was gerade geschieht?
Oder sehe ich nur noch das, was zu meiner ersten Einschätzung passt?
Welche meiner vertrauten Muster springen gerade an?
Und muss ich überhaupt jetzt entscheiden?
Deshalb beginnt die POLARstern Entscheidungslogik nicht mit der Entscheidung.
Sie beginnt früher:
STOPPEN → WAHRNEHMEN → EINORDNEN → ENTSCHEIDEN
Stoppen bedeutet dabei nicht, eine halbe Stunde zu meditieren, während der Kunde auf eine Antwort wartet.
Manchmal reichen wenige Sekunden Ruhe.
Einmal nicht sofort antworten.
Eine Rückfrage stellen.
Noch einmal lesen, was tatsächlich in der E-Mail steht – und nicht, was man im ersten Ärger darin gelesen hat.
Das Entscheidende ist nicht die Länge der Unterbrechung.
Entscheidend ist, ob sie Ihnen wieder eine Wahl ermöglicht.
Der eigentliche Gewinn ist nicht mehr Ruhe
Natürlich kann es sich gut anfühlen, wenn die innere Anspannung nachlässt.
Aber darum geht es mir nicht in erster Linie.
Ruhe ist kein Selbstzweck. Sie schafft Entscheidungsraum.
Und dieser Entscheidungsraum verändert den Führungsalltag.
- Sie übernehmen weniger reflexhaft.
- Sie erkennen eigene und fremde Verhaltensmuster früher.
- Sie führen manche Gespräche, bevor sie tagelang in Ihrem Kopf weiterlaufen.
- Sie treffen nicht jede Entscheidung selbst, nur weil es im ersten Moment schneller erscheint.
Und Sie gewinnen Aufmerksamkeit zurück für das, wofür Sie als Führungskraft tatsächlich gebraucht werden.
Für strategische Fragen.
Für Entwicklungen, die noch nicht laut nach Aufmerksamkeit rufen.
Für Menschen.
Und irgendwann merken Sie den Unterschied womöglich sogar am Abend:
Sie verlassen nicht nur das Büro.
Auch Ihr Kopf kommt so langsam Ruhe.
Sie fahren nach Hause und haben noch etwas von ihrer Energie übrig.
Der Druck ist nicht verschwunden.
Aber er führt Sie nicht mehr.
Was müssen Sie gerade entscheiden?
Vielleicht gibt es in Ihrem Führungsalltag gerade eine Situation, bei der Sie merken:
Ich komme nicht wirklich weiter.
- Eine Entscheidung zieht sich.
- Zwei Möglichkeiten erscheinen gleichermaßen plausibel.
- Sie wissen eigentlich, was zu tun wäre, scheuen aber die Konsequenzen.
- Oder Sie merken, dass Sie immer wieder auf dieselbe Weise reagieren – obwohl Sie längst wissen, dass es Ihnen nicht hilft.
Genau solche Situationen interessieren mich.
Jeden zweiten Donnerstag findet POLARstern LIVE auf LinkedIn und YouTube statt.
| auf LinkedIn | https://www.linkedin.com/events/7513623519063339008/ | |
| auf Youtube | https://www.youtube.com/watch?v=VavKNK2hWNA |
Sie können einfach zuhören. Oder Sie bringen Ihre konkrete Führungs- oder Entscheidungssituation mit und stellen mir Ihre Frage – gerne auch anonym.
Ich werde Ihnen nicht sagen, was Sie entscheiden sollen.
Aber wir können gemeinsam herausfinden, was Sie brauchen, um klarer entscheiden zu können.
→ Nächsten Termin für POLARstern LIVE ansehen und eigene Frage einreichen

Ihre Edith Karl
Bewusst führen. Wirksam handeln.
+43 664 51 87 420
▶▶ PS: Folgen Sie mir auf Linkedin
🔺 Abonnieren Sie meinen Newsletter KLAR FÜHREN
#EdithKarl #Klarführen #Führungsordnung #Polarstern

