Wer ist wichtiger, der Verkauf oder die Produktion?

Diese Frage stellt mir ein Verkaufsleiter in einer Klausurveranstaltung, die ich für das Topmanagement eines großen Unternehmens leitete. Der Mann sah in seinem dunklen Designeranzug und weißem Hemd mit blauer Krawatte äußerst elegant aus. Sein Kinn war hoch erhoben. Seine Augen glitzerten wie bei einer Katze, die eine Maus im Visier hat.

Ihm gegenüber saß der Produktionsleiter. Er trug eine graue Hose, blaue Weste mit Jackett und bunt gemusterte Krawatte. Auch er richtete seinen Blick auf mich. Eine gewisse Anspannung war sichtbar und spürbar. Der Chef des Hauses, eine sportlich-elegante Erscheinung, ließ seinen Blick neugierig durch die Runde schweifen.

Jetzt war ich dran. Freundlich wandte ich mich an den Verkaufsleiter. „Sie haben natürlich recht, wenn zu wenig verkauft wird, bedeutet das eine ernste Gefahr für die Firma.“ Siegesgewiss sah er von einem zum andern. Doch ich war noch nicht fertig. „Die Frage ist allerdings, was könnten sie verkaufen, wäre da nicht die Produktion?“ Stille. „Meine Damen und Herren, alle, die zu unserem Erfolg beitragen, sind wichtig“, erklärte nun der Chef.

Solche Szenen wiederholten sich immer wieder in den unterschiedlichsten Unternehmen. Im Vordergrund steht auch heute noch immer wieder die Frage „Wer ist der wichtigste hier?“ In solchen Momenten kümmern sich die Beteiligten recht wenig um ihre sachlichen Aufgaben, um ihre Zusammenarbeit, um ihre Kunden. Stattdessen verbrauchen sie die Zeit für das altbekannte Spiel um die Macht. Was diese Herren wohl ihren Kindern sagen, wenn die sich im Kinderzimmer ähnliche Szenen liefern?

Das Zusammenarbeiten mit Menschen aus anderen Fachbereichen fällt vielen nicht leicht. Was ist so schwer daran und wie kann man das leichter bewältigen?

Schwer fällt dieses Miteinander aus Gründen der Eitelkeit – wie oben beschrieben. Angst vor Imageverlust und Sorge um das eigene Ansehen spielen eine ebenso große Rolle. Vielleicht auch deshalb verwenden viele Experten gerne möglichst viele Fachausdrücke. Soll doch jeder erkennen, wie klug sie sind. Dieses Vorgehen bewährt sich nicht. Wie kann man mit jemanden zusammenarbeiten, wenn beide möglichst so sprechen, dass Verständigungsschwierigkeiten vorgeplant sind?

Wie wäre es, könnten alle, die solche Sorgen plagen, ihr Image auf völlig andere Art vergrößern?

Folgende drei Schritte erleichtern den Mut zur Annäherung

#1 Sei neugierig.

Neugierde ist der erste Schritt zum Mut. Bedenke: Was du weißt ist nur ein Tropfen, was du nicht weißt ist so groß wie der Ozean. Es gibt also eine Menge zu entdecken. Die Menschen in deinem Umfeld wissen eine ganze Menge mehr als du und sie haben andere Erfahrungen wie du. Tausch dich mit ihnen aus. Verkäufer wissen beispielsweise, was die Kunden wollen, Entwickler schaffen etwas Passendes, Menschen in der Produktion verleihen den Ideen Gestalt, um nur einige Beispiele zu nennen. Das gelingt allerdings nur dann, wenn alle ihre Informationen mit den anderen teilen und einander bei auftretenden Fragen konsultieren.

Neue Erkenntnisse führen immer wieder zu neuem Handeln. Sie stellen manchmal sogar dein Weltbild auf den Kopf. Alte Glaubenssätze und erst recht Vorurteile können plötzlich wanken. Das verursacht zuerst einmal Unsicherheit. Aber bald erkennst du ein erweitertes Spielfeld für dich anstatt der bisherigen Einschränkungen. Dein Gedankenfeld wird weiter. Dein Handlungsspielraum wird größer.

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#2 Nimm andere achtsam wahr

Wie oft hörst du etwas und denkst, das kennst du schon. Wenn du länger hinhörst, erfährst du doch noch etwas unerwartet Neues. Denkst du manchmal unfreundlich über andere? Wie wäre es, wenn du anstatt zu werten ergründest, warum der andere so denkt? Wenn du jemanden abwertest, schaffst du Barrieren. Sobald du dich interessiert zuwendest, tut sich etwas Neues auf. Der andere muss sich nicht mehr so übertrieben darstellen, wie er es oft macht – du siehst ihn ja und beschäftigst dich mit ihm. In den allermeisten Fällen interessiert er oder sie sich dann auch für dich und deine Wünsche und Anliegen. Das ist eine wesentlich bessere Basis für fachübergreifende Zusammenarbeit. In der Wissenschaft beschreibt man diesen Mechanismus als Resonanz. Meine Mutter hat es so ausgedrückt: Wie du in den Wald hineinrufst, so kommt es zurück.

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#3 Begegne anderen auf Augenhöhe, dazu gehört oft eine große Portion Mut

Der gute alte Satz aus der Transaktionsanalyse „ich bin ok – du bist ok“ hat immer noch Gültigkeit. Wer anderen so begegnet, fühlt sich weder unter- noch überlegen. Das fällt dir vielleicht in einigen Fällen schwer. Wenn andere Menschen andere fachliche Schwerpunkte legen, unterschiedlich denken und in verschiedenen Positionen arbeiten, hast du vielleicht Mühe damit. Gerade in solchen Fällen kannst du große Überraschungen erleben. Ich erinnere mich an eine Erzählung, wo Eltern mit ihrer kleinen Tochter vor der Arztpraxis saßen und ein dunkelhäutiger Mann in nicht besonders ansprechender Kleidung mit dem Kind Kontakt aufnehmen wollte. Die Eltern haben das beide sofort strikt unterbunden. Dann hat sie der Arzt alle drei gemeinsam in das Behandlungszimmer gerufen. Die Eltern konnten es kaum fassen, als der Arzt ihnen erzählte, dass dieser junge Mann das Plasma für ihre Tochter gespendet hatte, damit sie wieder gesund werden konnte. Jetzt schämten sie sich für ihr Verhalten.

Soll ein Chef, eine Chefin den Mitarbeitenden auf Augenhöhe begegnen? Selbstverständlich. Mitarbeiter wissen häufig Dinge, die sie nur dann preisgeben, wenn sie sich anerkannt fühlen. Augenhöhe bedeutet nicht, wir wissen beide das gleiche und haben denselben Status. Es geht darum, andere in ihrem Bereich ernst zu nehmen und wertzuschätzen.

Vorurteile solltest du schnell als solche erkennen und sie nach und nach abbauen.

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Fachübergreifend zusammenarbeiten, Silodenken überwinden

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Wir bei PowerManagement arbeiten seit Beginn der Neunzigerjahre derart zusammen. Ich selbst bin Wirtschaftssoziologin und Gesundheits- und klinische sowie Wirtschaftspsychologin. Mein Partner Rudolf Pusterhofer ist ausgebildeter Techniker. Bei einem Projekt haben wir einander kennen gelernt. Schnell erkannten wir, dass wir mit unserer unterschiedlichen Denkweise einander zwar immer wieder nerven, aber genau damit eine hervorragende Basis für außergewöhnliche Zusammenarbeit bei unseren Kunden schaffen. Wir verlangen einander Geduld ab, muss doch jeder seine Gedanken so ordnen, dass der jeweils andere mitdenken kann.

Dann tauchen natürlich Fragen auf. Glaubt einer von uns, schon eine tolle Vorlage für ein neues Produkt geschaffen zu haben, kommt bald die Ernüchterung. Es fehlten wesentliche Punkte, andere Teile sind entbehrlich. Wir raufen uns immer wieder so zusammen. Unsere Projekte waren und sind einzigartig und gut gebucht. Da war es naheliegend, gemeinsam eine Firma zu gründen. Von fachübergreifendem Zusammenarbeiten haben wir damals nicht gesprochen, wir haben es gemeinsam mit unseren Kunden gelebt. Auch über Kooperation verloren wir von Beginn an nur wenige Worte.

Die Kunden staunen allerdings oft, wie unbefangen wir auch vor ihnen unterschiedliche Meinungen austauschen können. Keiner von uns will recht haben. Es geht immer um die beste Lösung für diese eine Sache, an der wir gerade gemeinsam arbeiteten. Die Kunden dürfen sich gleich dabei beteiligen. Auseinanderdividieren konnten sie uns dabei nicht ein einziges Mal.

Es war noch nie so wichtig wie derzeit, mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen zusammen zu arbeiten. Eure Kunden sind gut informiert, haben individuelle Wünsche und wenig Zeit. Sie verlangen nach schnellen Lösungen für ihre Probleme. Das ist möglich. Erfolgreich sind dabei vor allem die Unternehmen, welche Projektteams mit Mitarbeitern aus allen benötigten Fachbereichen zusammenstellen. Wenn von Beginn an immer alle Fachbereiche gemeinsam an der Lösung arbeiten, oft sogar gemeinsam mit dem Kunden, schaffen sie schnell passende, individualisierte Lösungen.

Das war schon unser Geheimnis in den Neunziger-Jahren, als wir die Unternehmen zur Zertifizierung begleiteten. Wir begannen im Führungskreis mit allen Bereichsleitern. An diesem Tag und in diesem unverfänglichen Rahmen konnten sie endlich ihre Probleme ansprechen, die sie schon so lange mit sich herumtrugen. Der Chef war oft bass erstaunt. Nicht selten bestellte er weitere Verpflegung und verlängerte die Sitzung auf einen ganzen Tag bis in den Abend hinein. Danach waren alle erleichtert. Die Probleme waren ausgeräumt.

In den folgenden Tagen arbeiteten wir uns mit den weiteren Teams von Prozess zu Prozess. Dabei waren immer TeilnehmerInnen aus der Gruppe eingeladen, welche den Hauptakteuren zuarbeiteten, also die internen Lieferanten, und auch Personen aus dem Bereich, dem die Hauptakteure zuarbeiteten, also den internen Kunden. Auch da gab es mitunter Knöpfe aus der Vergangenheit aufzulösen. Danach lief alles wie am Schnürchen.

In früheren Jahren war es noch nicht im selben Ausmaß bekannt wie heute, wie wichtig solche Zusammensetzungen der Teilnehmer in Gruppen sind. Heute weiß man es besser. Man spricht jetzt von Diversität und dass für Silodenken und politische Spielchen kein Platz mehr ist. Diese Erkenntnis ist praktisch und zweckdienlich. Sie verschafft allen Beteiligten mehr Spielraum, sich gemeinsam der Auftragsarbeit für den Kunden zu widmen

Es gibt inzwischen auch Untersuchungen darüber, dass Gruppen mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen Altersgruppen und Fachbereichen, Frauen und Männern, verschiedener Herkunft und ungleichem Status, mit und ohne Migrationshintergrund bessere Ergebnisse erarbeiten als homogene Gruppen, die womöglich nur aus Männern höheren Alters und ähnlichem Ausbildungsgrad bestehen. Statt Argwohn passiert in gut geführten diversen Gruppen viel häufiger Flow bei der Arbeit. Gesunde Körper, die weniger unter Stress leiden und der Geist aller freuen sich.

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Mehr zum Thema fachübergreifend zusammenarbeiten, heute auch crossmodales Arbeiten genannt oder Arbeiten ohne Silodenken

so wie wir es ganz natürlich schon seit Jahrzehnten in den Unternehmen einführen siehst du hier
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Auf guten Mut!

Deine Edith Karl

Tel.Nr.: 0043 664 51 87 420

E-Mail ek[at]edithkarl.com

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